Hervorragende Zusammenarbeit für behinderte Menschen im Landkreis Vulkaneifel

Kreistag besucht die Westeifel Werke in Gerolstein und informiert sich vor Ort

Fast komplett war der Kreistag aus dem Landkreis Vulkaneifel bei einem Informationsbesuch in den Westeifel Werken Gerolstein (WEW).

Es ging um die Themen Teilhabe- und Integrationschancen für Menschen mit einer Behinderung und um die Eingliederungshilfe, die neben den Landesmitteln der Kreis mit einem Volumen in Höhe von rund 3 Mio.Euro zu 50 %trägt.

Finanziert wird mit dem Geld die nach dem 9. Sozialgesetzbuch (SGB IX), geregelte  Betreuung und Beschäftigung behinderter Menschen in den anerkannten Werkstätten  WEW und EuWeCo und in den stationären oder ambulanten Wohnstätten der Lebenshilfe Wohngemeinschaften Eifel.

Für den Kreistag war es ein wichtiger Orttermin, denn den Vertretern ist es wichtig  Entscheidungen nicht vom grünen Tisch aus zu treffen, sondern mit dem Wissen um die Situation vor Ort und mit den Hintergründen aus der wirklichen Arbeitspraxis.

 Aufmerksam folgte man dem Informationsteil der Veranstaltung und ein anschließender Rundgang durch die Gerolsteiner Werkstatt gab einen tiefen und auch persönlichen Eindruck in die Lebens-und Arbeitssituation der betreuten Beschäftigten.

Begrüßt wurden die Kreistagsmitglieder zusammen mit Landrat Heinz Onnertz und Mitarbeitern der Kreisverwaltung vom WEW-Verwaltungsratsvorsitzenden  und  Vorsitzender der Lebenshilfe Daun, Klaus-Peter Metzger, der aus dem Blickwinkel der betroffenen Menschen selbst und deren Familien stolz auf das Erreichte in der Vergangenheit zurückblickte, aber auch ein wenig sorgenvoll in die Zukunft schaut.

„Die Integration behinderter Menschen wird heute gerne in der Steigerungsform als Inklusion bezeichnet und beschreibt auch einen politischen Prozess, der durch die UN-Behindertenrechtkonvention neu angestoßen wurde. Wohlklingende Wort wie Selbstbestimmung, Ambulantisierung und Personenzentrierung machen dabei die Runde und allzu oft  wird vergessen besonders die Menschen mit geistiger Behinderung in die Entwicklung mit einzubeziehen.“, sagt Metzger und weiß als „erster Mann“ der Selbsthilfebewegung Lebenshilfe, dass sich die behinderten Menschen in den bestehenden Einrichtungen sehr wohl fühlen.  

„Wir reden in Inklusionszeiten davon Einrichtungen abzuschaffen, die genau wegen einer nicht funktionierenden gesellschaftlichen Integration und Inklusion überhaupt erst ins Leben gerufen wurden.“ erläutert Metzger.

Die Westeifel Werke – gemeinnützige GmbH -  mit ihren Tochterunternehmen stehen in Trägerschaft der Lebenshilfe Kreisvereinigungen Daun, Bitburg und Prüm. Im gesamten Unternehmenskomplex sind 1150 Menschen mit und ohne Behinderung tätig.

Das Einzugsgebiet erstreckt sich auf den Landkreise Vulkaneifel und den Eifelkreis Bitburg-Prüm, wobei diese gleichzeitig Bedarfsträger sind und die Werkstätten in deren Auftrag die gesetzlichen Vorgaben und Verpflichtungen erfüllen.

Die WEW mit ihren Standorten in Gerolstein. Hermesdorf, Weinsheim und Neuerburg beschäftigt aktuell 550  vorrangig geistig behinderte  Mitarbeiter, die von

159 nichtbehinderte Mitarbeiter in Betreuung und Verwaltung, sowie 13 Azubis und 18 Praktikanten und Teilnehmer im Bundesfreiwilligendienst begleitet und unterstützt werden. Die EuWeCo betreut zurzeit 115 psychisch beeinträchtigte Klienten mit rund 70 hauptamtlichen Mitarbeitern an den Standorten Daun-Pützborn, Gerolstein und Weinsheim.

Im Bereich Werkstatt ist es die Aufgabe, Menschen, die aufgrund ihrer wesentlichen Behinderung nicht auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt tätig sein können, eine Teilhabemöglichkeit am Arbeitsleben anzubieten. Dabei soll möglichst die Leistungsfähigkeit wiederhergestellt, erhalten oder verbessert werden und die Persönlichkeit weiter entwickelt werden.

Landrat Heinz Onnertz kennt die Entwicklung der Lebenshilfe schon aus der Historie heraus sehr gut und lobt die ausgezeichnete und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Westeifel Werken. „Ich bin sehr froh darum, dass wir eine solch gut funktionierende Einrichtung im Landkreis haben, die sich nicht nur vorbildlich um behinderte Menschen kümmert, sondern auch mit innovativen Konzepten und mit Bodenhaftung an der Zukunft mitgestaltet.“

Onnertz erwähnt in diesem Zusammenhang den Einfluss der skandinavischen Länder auf die rheinlandpfälzische Sozialpolitik, der aber schon wegen den vergleichsweise  schlechteren finanziellen Möglichkeiten hierzulande hapert.

„Wir brauchen eine Versorgung, die sich am Menschen orientiert, die aber auch in puncto Selbstständigkeit und selbstbestimmtes Leben und Arbeiten in sich nicht gleich autonom sein kann, alleine schon wegen der unterschiedlichen Behinderungsarten.“ erläutert Onnertz und deutet an, dass man in Deutschland mit Vehemenz einen Weg der Personenzentrierung beschreiten will, der in Finnland oder Norwegen zum Teil schon wieder zurückgenommen wird.

Auch WEW-Geschäftsführer Ferdinand Niesen unterstützt diese Position und weist darauf hin, dass die derzeitigen Unterbringungsformen in den Wohnheimen der Lebenshilfe nicht nur die finanziell günstigere ist, sondern auch von den behinderten Menschen in dieser Gemeinschaftsform ausdrücklich so gewünscht ist. Überdies betreue man augenblicklich ca. 25 % der Bewohner in Ambulant betreuten Wohnformen.

„Auch wir möchten einen Beitrag zur Kosteneinsparung liefern. Mit einem strikten personenzentrierten Ansatz, der korrekterweise für alle behinderten Menschen gelten muss, kann dies aber nicht funktionieren. Besonders wenn ein sehr hoher Hilfebedarf vorliegt, bringen z.B. Assistenzmodelle enorme Mehrkosten. „ sagt Niesen und verlangt von der Politik hierzu eine klare und ehrliche Aussage über die geplanten Absichten und finanziellen Ressourcen. 

Die sehr gute konstruktive Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern der Kreisverwaltung, insbesondere aus dem Sozialamt würdigt auch Niesen und  erwidert den Dank an Landrat Onnertz.

Die Westeifel Werke zeigen sich bei Gremien oder in der Öffentlichkeit gerne transparent bei ihrer Kernaufgabe der beruflichen Rehabilitation. In einem gesetzlich geregelten Prozedere entscheidet ein Fachausschuß unter Beteiligung  aller  Kostenträger, wer überhaupt in die Werkstatt kommen darf. In einer fortlaufenden Teilhabeplanung ist auch die Kreisverwaltung stets auf dem Laufenden, welche  Förderung geplant ist und wie die Ziele erreicht werden können. Dazu kommt ein Qualitätsmanagementsystem, das auch die Betreuungsarbeit überwacht.

In den Arbeitsbereichen sind die WEW in der Lohnfertigung mit Auftragsarbeiten  für Firmen und Unternehmen der hiesigen Region tätig und als Besonderheit genießt die Werkstatt einen überregionalen und sogar internationalen Ruf als Hersteller von Freiraummöbeln und als Ballondrucker.

Im Reha-Bereich werden an allen Standorten pädagogische und therapeutische Fachdienste vorgehalten, besetzt mit Sozialpädagogen, Krankengymnasten, Sportlehrer und anderem auch pflegerischen Personal.

Auch hier gibt es eine Besonderheit: 68 schwerst- und mehrfachbehinderte Menschen finden einen Platz in einer der fünf Fördergruppen; werden adäquat beschäftigt, betreut und gepflegt. 

Eine Ausnahme in Rheinland-Pfalz, denn üblicherweise wird dieser Personenkreis in einer sogenannten Tagesförderstätte mit höherem finanziellen Aufwand betreut.

Die WEW allerdings blicken in dieser speziellen Aufgabenstellung auf eine mittlerweile 30- jährige Erfahrung zurück, sparen Damit Ausgaben für den Landkreis Kosten und leisten überdies einen hervorragenden Beitrag zur Integration dieser wirklich schwerstbehinderten Menschen in das Arbeitsleben der Werkstatt.

Bei einem ausgedehnten Rundgang durch die einzelnen Gruppen der Westeifel Werke Gerolstein machten sich die Kreistagsmitglieder einen umfangreichen Eindruck von der Arbeit vor Ort, kamen ins Gespräch mit dem Betreuungspersonal und mit den Beschäftigten mit Handycap.

Am Ende waren alle begeistert von der Zufriedenheit der betreuten Mitarbeiter, was auch aus den eigenen Reihen von den Vertreterinnen der Werkstatträte Iris Hermes (WEW) und Gabi Thielen (EuWeCo) bestätigt wurde.

 

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